Bebauung in Prien Stock West- eine Einwendung

…eine Prienerin schreibt an die Gemeindeverwaltung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zur Aufstellung des Bebauungsplans „Jugendherberge“ in Prien möchte ich Folgendes mitteilen und auch um die Beantwortung der vielen Fragen bitten, die sich im Zusammenhang stellen:

Ganz grundsätzlich finde ich es nicht richtig, eine Bildungseinrichtung mit dem Fokus auf „Umweltpädagogik“ zu errichten, indem man genau diese „Umwelt“ erst mal zerstört.
Indem man von Seiten der Gemeinde, die eigentlich die Interessen der Priener Bürger vertreten soll, auf einer bisher unbebauten und im Zusammenhang wichtigen Fläche eine Bebauungsmöglichkeit schafft, wohlgemerkt für einen „gewinnorientiert arbeitenden Investor“. (Zitat Bügermeister Jürgen Seifert). Wäre es nicht ein dringend notwendiges Signal, bewusst Ressourcen zu schonen?

Die für den Neubau vorgesehene Fläche liegt in einem See nahen und für die Priener Bürger wichtigen Naherholungsgebiet. Ein Gebäude an dieser Stelle bricht diese zusammenhängende Grünfläche auf und wird ganz sicher der Auftakt zu einer kompletten Bebauung des gesamten Gebietes an beiden Seiten des Fußweges zwischen Carl-Braun-Straße und Osternacher Straße sein.
Dies wird zwar von Seiten der Verantwortlichen bestritten, aber mit welcher Begründung kann man Bauwillige dann noch von diesem „Zuckerstück“ abhalten? Noch dazu da der Flächennutzungsplan ja bereits entsprechend ausgelegt ist, und die Besitzer der anliegenden Grundstücke seit Jahrzehnten versuchen, Baugenehmigungen zu erwirken…

…In Seenähe verschlingen die Parkplätze für Schifffahrt und Kliniken bereits große Flächen.
Tot. Mit Flughafenbeleuchtung. Teuer. Sehr lukrativ für die Besitzer. Sehr scheußlich für die Anwohner.
Wie soll das erhöhte Verkehrsaufkommen aufgefangen werden?
Für meine Heimat Prien wünsche ich mir mehr Natur, nicht immer weniger…
…Und was bekommen wir Priener im Austausch für die Jugendherberge – denn die „Drohung“ ist ja wohl: hier oder gar nicht!
Wir bekommen: mehr Verkehr. Mehr Trubel. Weniger Grün. Mehr Investoren. Noch höhere Immobilienpreise. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese – bereits im „Verbauungsplan“ dem möglichen Untergang geweihten Flächen innerhalb der nächsten 10 Jahre zugebaut sein werden.

Wer profitiert von all dem?
Die Menschen, die die Flächen verkaufen. Ja

Die Betreiber der Jugendherberge. Ja
Die „normalen“ Priener Bürger, die gerne mal mit dem Radl an den See fahren möchten, ohne sich vorzukommen wie in einer Stadt? Die in einem Ort leben möchten, der nicht nur den finanziellen Interessen einiger weniger gewidmet ist? Die vielleicht nicht so gut verdienen. Nein, sicher nicht!

Die „Gemeinde Prien“, deren Selbstverständnis sie als „Tourismus-Gemeinde“ ausweist, auf der Basis der unglaublichen Schönheit von See, Inseln, Bergen, Landschaft – die sie selber mehr und mehr zerstören durch Bautätigkeiten der allerhässlichsten Art. Nein, langfristig gewiss nicht!
Das Geld bekommen einige Wenige, ganz sicher nicht die Allgemeinheit der Bürger. Die wollen ja vielleicht auch nicht immer nur Geld versprochen bekommen, sondern wollen einfach in ihrer Heimat einigermaßen ungeschoren leben. Nicht zuschauen müssen, wie unser aller Grundkapital – die Schönheit – in den Taschen einiger Weniger zu Geld gerinnt.

Ich wünsche mir Respekt vor dem Bedürfnis von Priener Bürgern, ihr Gemeindegebiet zu schützen vor weiterer Verbauung. Respekt vor meinem Bedürfnis, das ich mit vielen anderen teile, in meiner eigenen Heimat nicht ausverkauft zu werden, und mich auf unfairste Weise auch noch als dumm, inkompetent und verantwortungslos dargestellt zu finden. Ich – und sicher auch die meisten anderen der knapp 1400 Priener Bürger – kann ein Schreiben, unter das ich meine Unterschrift setze, durchaus selbständig beurteilen. Betrogen fühle ich mich momentan durch das Vorgehen der Interessengemeinschaft „Jugendherberge – Bürgermeister – Gemeinderat – Verwaltung – Landratsamt(?)“. Hier läuft ja wohl Politik der übelsten Art ab.
Erleben zu müssen, wie die Priener Bürger und Gemeinderäte , die versuchen, die vorne genannten Interessen zu vertreten, diffamiert und ihre Bemühungen hinterhältig ausgehebelt werden, das lässt einen zweifeln – und verzweifeln – an den Vorgängen in Politik und Verwaltung.

Ich bin sehr gespannt auf das weitere Vorgehen unserer „Ältesten“.
Werden sie auch an die Bürger denken?
Werde ich auf meine Fragen wirkliche Antworten bekommen?
Ich wünsche allen Beteiligten Mut, Anstand und ein Bewusstsein für demokratische Vorgänge.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea Schmid

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